Meine erste Reise alleine

Meine erste Reise alleine. Ok, wow! Was machst du eigentlich hier? Warum machst du das? Warum bist du gerade alleine hier? Willst du nicht viel lieber Gesellschaft haben jetzt gerade? All diese Fragen gingen mir durch den Kopf und ich war noch nicht einmal seit einer Stunde in Heidelberg..

Aber fangen wir doch erst einmal von vorne an. Bevor ich nämlich da stand, so ganz alleine, habe ich mir etliche Male den Kopf darüber zerbrochen ob ich das überhaupt machen soll oder ob ich es vielleicht besser nicht mache. Eigentlich wollte ich zusammen mit meinem Freund Urlaub machen. Der musste aber dann doch absagen, weil sein Chef ihm nicht frei geben konnte an den Tagen, an denen ich frei hatte. Also antwortete ich ihm aus Spaß (und auch ein bisschen aus Trotz), dass ich dann alleine fahre. Und von ihm kann ein unerwartetes “Ja! Mach das!”. Seine Antwort lies mich ganz schön staunen.

Ich hab dann mal geschaut wohin ich denn fahren könnte. Fliegen kam nicht in Frage. In ein Flugzeug zu steigen, ist für mich immer eine sehr große Überwindung, da brauche ich jemanden bei mir der mir die Hand hält. Also war sofort klar, dass WENN ich das machen würde, dann mit dem Auto. Hab ein bisschen im Internet recherchiert und mir Google Maps angeschaut und mich dann für Heidelberg entschieden.

Nach mehrstündigem Überlegen hab ich die Idee dann doch wieder verworfen. Meine Gedanken spielten verrückt und waren hin und her gerissen zwischen wie cool wäre das und nein, das schaffe ich nicht. Meine größten Sorgen oder das was mich am meisten davon abgehalten hat, war der Gedanke ans alleine sein, ans alleine sein mit meinen eigenen Gedanken und ans alleine essen gehen.

Es vergingen zwei oder drei Wochen und ich saß wieder mit der Frage da, soll ich oder soll ich nicht? Ich habe dann in meiner Instagram Story nach Meinungen und Tipps und Stories von euch gefragt und danach noch meine Mama angerufen. Während ihr mir fleißig Nachrichten geschrieben habt, hat meine Mama mir gesagt MACH ES! Und das war genau was ich gebraucht habe, ein kleiner Tritt in den Hintern. Noch während ich mit ihr telefoniert habe, habe ich das Hotel gebucht (das ich mir natürlich auch schon im Vorfeld ausgesucht habe). Und dann gab es kein zurück mehr.

MEINE ERSTEN GEDANKEN

Es ist 21:14 Uhr. Ich liege im Hotelbett, öffne meine Notizen auf dem Handy und tippe: komisch, Unsicherheit, viele Gedanken in meinem Kopf, was denken andere Menschen? Dann legte ich mein Handy weg, zog mich an und ging in eine Bar.

Als ich in Heidelberg ankam, war ich eigentlich ziemlich optimistisch. Ich hatte ein bisschen Angst, gleichzeitig aber war ich gut drauf und ich freute mich. Der Check-in im Hotel lief super, ich war zufrieden mit meinem Zimmer und der Aussicht und machte mich dann auch sofort auf den Weg ins Zentrum. Zu Fuß. Das Hotel liegt ziemlich zentral. Ich musste nicht weit laufen bis ich am Wasser angekommen bin. Das war mein erstes Ziel. Der Neckar. Von da aus bin ich dann immer am Wasser entlang bis zur Alten Brücke gelaufen. Über die Brücke und da habe ich dann zum ersten Mal an dem Tag Halt gemacht, Luft geholt, meine Gedanken sortiert oder eher, ihnen freien Lauf gelassen.

Was machst du eigentlich hier? Warum machst du das? Warum bist du gerade alleine hier? Willst du nicht viel lieber Gesellschaft haben jetzt gerade? 

ALLEINE ESSEN GEHEN

Nachdem ich ein bisschen durch die Stadt spaziert bin und mich beruhigt habe, habe ich den Schritt gewagt in ein Restaurant zu gehen. Es war mittlerweile 17:45 Uhr und ich fragte mich: Ist es okay so früh schon essen zu gehen? Zu Hause esse ich immer sehr spät durch meine Arbeitszeit und wenn ich mit meinem Freund Auswärts essen gehe, würde ich auch nicht auf die Idee kommen um 6 Uhr ins Restaurant zu gehen. Allerdings stand ich dann da so alleine und dachte mir: du traust dich viel eher dich JETZT in ein Restaurant zu setzen, als später am Abend, denn vielleicht sind ja jetzt gerade noch nicht so viele Leute da. Dieser Gedanke hat mir die Kraft gegeben, die Tür vom Hans im Glück zu öffnen und den Schritt zu wagen zum ersten Mal ganz alleine in einem Restaurant zu essen.

Dann der Schlag ins Gesicht (ok, das ist hart ausgedrückt).. Ein Kellner kam auf mich zugelaufen und sagte: ein Tisch für eine Person für die Dame? Er hat mich zwar super lieb angelächelt als er das gesagt hat, aber ich hätte mich bei diesem Satz am liebsten unter einen Tisch verkrochen und wäre nicht mehr raus gekommen. Auf einmal fand ich den Gedanken, dass eine junge Frau alleine essen geht, ganz traurig, komisch, ungewohnt.

Aber es ist ja wie mit allem. Der erste Schritt ist der schwierigste. Der Schritt aus der Komfortzone. Diesen habe ich gewagt und gemeistert. Im Endeffekt war es gar nicht so schlimm alleine essen zu gehen. Vielleicht wars aber auch nicht so schlimm weil ich während dem Essen mit meinem Freund über Whatsapp in Kontakt war? Vielleicht.

Am zweiten Abend wars auch wieder ein bisschen komisch. Besser. Aber trotzdem noch immer ungewohnt. Allerdings war ich wieder super viel mit meinem Handy beschäftigt. Und ich frage mich nur ob ich das wohl mache um beschäftigt zu wirken? Will ich nicht zulassen einfach mal mein Essen in aller Ruhe zu genießen?

Übrigens hatte ich solche Gedanken und “Probleme” nur beim Abendessen. Beim Frühstück und Mittagessen konnte ich problemlos alleine sein, habe die Zeit sogar genossen und mein Buch gelesen.

WAS ICH ÜBER MICH SELBST UND DAS LEBEN GELERNT HABE

Meine erste Reise alleine hat mich gelehrt, dass ich absolut kein Problem damit habe alleine etwas zu unternehmen, alleine zu sein, die Zeit alleine zu genießen. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist auch mal alleine zu sein, mit sich selbst und seinen Gedanken. Um herauszufinden was man mag, was nicht, was einem Freude bereitet, was nicht und was einem gut tut und was nicht.

Alleine unterwegs zu sein, hat für mich bedeutet, dass ich mich mit mir selbst auseinandersetzen musste. Alles war so viel intensiver. Jeder Moment. Ich habe alles viel bewusster wahrgenommen und jeden kleinen Augenblick bis aufs Ganze ausgekostet und genutzt. Es hat auch bedeutet, dass ich mich meinen Gedanken, Gefühlen und Ängsten stellen musste. Und das habe ich gemeistert! Ich bin so stolz auf mich!

Ich bin über mich selbst hinausgewachsen, habe meine Komfortzone verlassen. Sogar die für mich größte Hürde, alleine in einem Restaurant zu sitzen, habe ich gemeistert. Alleine mit sich selbst zu sein, ist, obwohl wir eigentlich soziale Wesen sind, enorm wichtig. Wir kommen als alleinstehende Individuen zur Welt und genauso verlassen wir sie auch wieder. Die Zeit dazwischen wird uns verschönert mit wundervollen Menschen, die wir Familie und Freunde nennen dürfen. Aber früher oder später kommt für uns alle einmal die Zeit in der wir alleine sind. Dann wenn wir unser Leben gelebt haben. Weshalb es meiner Meinung nach wichtig ist, dass wir das Alleine sein lernen. Manche Menschen beherrschen das ganz gut. Andere, unter anderem ich, müssen das lernen. Und das hier.. diese Reise.. das war mein erster Schritt es zu lernen.

Alleine zu verreisen ist für mich kein weglaufen, keine Flucht vor dem Alltag und den Problemen, die dieser mit sich bringt. Aber ich habe gelernt, dass es gut tut sich einmal ganz alleine davon zu entfernen. Es gibt einem die Möglichkeit über sich selbst und das Leben zu reflektieren. Bin ich zufrieden? Wenn nicht, warum nicht? Was kann ich besser machen? Was kann ich verändern? Bin ich glücklich? Führe ich das Leben, das ich führen will?

ABER…

..so sehr ich diese zwei Tage mit mir selbst auch genossen habe.. NICHTS ist schöner als solche Reisen, solche Momente, solche Erfahrungen mit Menschen zu teilen die man liebt. Ich bin froh, dass ich dieses Abenteuer gewagt habe, bin aber gleichzeitig noch dankbarer dafür, dass ich einen Menschen an meiner Seite habe, mit dem ich reisen KANN, mit dem es passt, mit dem die Zeit zu zweit genauso schön und noch viel besser als alleine ist.

Ich weiß, dass ich irgendwann in meinem Leben nach New York, Bali, Japan, Australien und überhaupt am liebsten um die ganze Welt reisen will. Aber all diese Reisen will und kann ich nicht alleine machen. Diese Abenteuer möchte ich mit dem Menschen den ich liebe teilen.


Was denkt ihr über das alleine reisen? Habt ihr das schon mal gemacht? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich freue mich wenn ihr diese mit mir in den Kommentaren teilt 🙂

Meine erste Reise alleine

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4 Comments

  1. 22. März 2018 / 13:14

    Ech fannen et suuuuuper, dass du dech getraut hues! Eppes besseres wei alleng reesen kann een fier säin selbstbewosstsinn menger meenung no net maachen! Läschten Summer sin ech och e puer mool alleng gereest – op wien, wou ech zwar oft net alleng war, well ech geschafft hunn, mee awer meng sightseeing touren oft alleng gemach hunn, op Amsterdam, an zu Berlin war ech och oft alleng ennerwee. Et leiert een eng staat ganz aanescht kennen, an iergendswann gett et och kee Problem mei, sech oowes an en restaurant ze setzen an n glass wein ze geneißen. Mier dinn eischter dei Leit leed, dei dat net kennen! Ech sinn stolz op dech, datts de daat gemaach hues, an sin mer secher, datts de och iergendswann alleng fleien kanns! 🙂

    • 22. März 2018 / 17:40

      Villmools merci fir dein Kommentar Carole! 🙂
      Ech sinn och mega stolz op mech an sinn wierklech frou, dass ech et gemaach hun.
      Et ass weis de sees, et leiert een eng Staat ganz aanescht kennen wann een alleng ass.
      Daat mam alleng fleien bezweifelen ech zwar, mee wei seht een sou schein “sag niemals nie” 🙂

  2. 22. März 2018 / 14:45

    Hört sich sehr spannend an und ist echt eine Überlegung wert, obwohl ich alles am liebsten mit meinem Partner teile und gemeinsame Erinnerungen sammle. Aber ich denke, dass eine Reise ganz alleine auch ganz spannend sein kann & man sich dabei wirklich mal nur auf sich selbst konzentrieren kann. Toller Post!

    • 22. März 2018 / 17:43

      Ja, mir gehts da so wie dir. Ich teile solche Erinnerungen auch gerne mit meinem Partner, aber es war definitiv eine Erfahrung Wert 🙂
      Ich kann es dir wirklich nur empfehlen! Vielleicht kannst du es ja mal so versuchen wie ich es gemacht habe, dass du nicht
      zu weit weg fährst und erst einmal nur für 2 oder 3 Nächte? 🙂

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