Wie du dich fühlst, ist nicht die Schuld unserer Gesellschaft

Letzte Woche habe ich in meiner Instagram Story ein Bild gepostet und dazu folgenden Text geschrieben:

Ich hoffe, dass irgendwann sich alle Frauen in ihrem Körper wohlfühlen. Ich hoffe, dass alle Frauen aufhören ihren eigenen Körper zu kritisieren und aufhören sich schlecht zu fühlen wegen ihren Beinen, Bäuchen, Hüften, Armen.. Eine Frau kann klein, groß, kurvig, dünn sein. Eine Frau kann sein was sie sein möchte. Und jede Frau hat das Recht dazu sich schön zu finden, ganz egal wie sie aussieht.

Daraufhin habe ich ganz viele Nachrichten bekommen. Alle waren positiv und zustimmend. Nur eine meinte “das wird aber nie passieren!”. Ok, vielleicht werden wir niemals dazu kommen, dass jede Frau zufrieden ist mit sich und sich wohlfühlt in ihrem Körper. Vielleicht. Ich wünsche es mir trotzdem.

2014. Anfang des Jahres habe ich damals so richtig mit Instagram angefangen. Irgendwie lernten wir alle den “healthy lifestyle” kennen und wir wollten ihn alle leben. Jeder erzählte von seiner Abnahme, von seiner Essstörung, von seinem Weg zu einem fitteren Menschen. Low carb, FDH, low calories, thigh gap, skinny.. waren alles Wörter, die auf Instagram täglich genannt wurden. Alle wollten mitmachen, alle wollten dazu gehören. Alle wollten auf Diät sein, weil das in war. Weil jeder wollte seine Bikinifigur bis zum Sommer erreicht haben.

Ich hing da irgendwie total mit drin, wollte das auch. Das war auch das Jahr, in dem ich mich zum ersten Mal im Leben im Fitnessstudio anmeldete und ich war unglaublich stolz auf mich. Ich habe meine Ernährung umgestellt, habe angefangen Sport zu machen und mir ging es gut. Mein Problem: Ich wollte so unbedingt abnehmen, dass ich natürlich alles ausprobieren musste, egal ob das gesund war oder nicht. Low carb habe ich ausprobiert, genauso wie “no carbs” am Abend, dann habe ich die ganze Woche gesund gegessen um dann am Wochenende einen cheat day zu haben und auch Süßigkeiten ganz weglassen, habe ich ausprobiert. Nichts hat geholfen, weil ich alles falsch gemacht habe und weil ich mich viel zu sehr unter Druck gesetzt habe.

2015/2016. Auf einmal entwickelt sich etwas ganz großartiges auf Instagram. Die Bodypositivity-Bewegung. Alle reden von Selbstliebe. Du sollst deinen Körper so lieben wie er ist, mit allen Macken und Fehlern. Mit jeder kleinen Delle. Egal ob klein oder groß. Dick oder dünn. Schwarz oder weiß. Der Beginn dieser Bewegung war etwas ganz wunderbares. Ich habe damals versucht mich aus meinem “du musst unbedingt abnehmen”-Wahn zu befreien und habe versucht von anderen zu lernen. Habe gelernt was wirklich wichtig ist im Leben. Ich habe erkannt, dass ich nicht abnehmen muss um glücklich zu sein oder mich wohl zu fühlen, ich erkannte, dass es im Leben um mehr geht als die nächste Diät.

Irgendwann hat mir dieses Thema zu viel Überhand auf Instagram genommen, auf einmal schien alles voll zu sein damit. Jeder schrieb darüber, egal ob positiv oder negativ. So kam es, dass ich mich von diesem Thema entfernt habe. Letztes Jahr habe ich es aber wieder aufgegriffen und ich bin so glücklich, dass ihr das alle so gut aufgenommen habt. Ich bin so dankbar und es kommt so viel Zufriedenheit in mir auf, wenn ich an all eure wundervollen Nachrichten und Kommentare denke.

Es hat sich viel verändert seit 2014. Und vielleicht wird es niemals so kommen, dass alle Frauen auf dieser Welt zufrieden mit sich selbst sind. ABER es ist nicht unmöglich! Denn im Grunde genommen, bist nur DU dafür verantwortlich wie du dich fühlst. Wie du dich fühlst, ist nicht die Schuld unserer Gesellschaft!

Die Gesellschaft gibt uns zwar ein Idealbild vor, ein 90-60-90 Idealbild. Sie sagt auch, dass dicke Menschen keine schönen Menschen sind. Dellen an den Beinen werden nicht toleriert. Eigentlich ist jeder Körper, der nicht die perfekte Modelmaße hat, nicht schön. Unperfekt gibt es nicht. Fehler und Makel möchte niemand sehen. Und das alles haben wir Menschen uns eintrichtern lassen und ist so tief in uns allen drin, dass wir das alles ganz genauso hinnehmen. Ohne es zu hinterfragen. Ohne darüber nachzudenken…

Aber es liegt doch an uns was wir glauben, was wir denken? Anstatt zu bejahen was die Gesellschaft sagt, wäre es doch schöner wenn wir einen Körper mit Dellen genauso akzeptieren wie einen makellosen Körper. Wenn wir anfangen würden andere Frauen nicht mehr zu beleidigen wegen ihrem Aussehen. Andere Frauen nicht mehr unsere Missgunst und unseren Neid spüren lassen. Einfach mal auf uns selbst konzentrieren, unser eigenes Ding machen und andere Menschen ihr Leben leben lassen.

Aber dafür müssen wir als allererstes bei uns selbst anfangen. Wir müssen lernen uns so zu akzeptieren wie wir sind, egal was die Gesellschaft sagt, egal was eine wildfremde Person draußen auf der Straße sagt. Wichtig ist, was WIR von uns denken. Wir müssen lernen, dass es wichtigeres gibt in diesem Leben als den perfekten Body. Was wirklich zählt ist unsere Gesundheit, unsere Familie, unsere Freunde und Glückseligkeit. Wenn ich älter bin und Kinder habe, möchte ich ihnen von meinem tollen, spaßigen, glücklichen Leben erzählen und alles was ich erlebt habe und nicht, dass ich mich nie wohlgefühlt habe und das Leben an mir vorbeigezogen ist während ich damit beschäftigt war mich selbst zu akzeptieren.

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4 Comments

  1. Johanna (bittersweetdissonance)
    24. April 2018 / 12:08

    Du bist einfach ein Schatz ♥️ eine Inspiration für mich und garantiert auch für viele andere. Du sprichst das Mal aus was so viele denken und sich vielleicht gar nicht trauen zu sagen. Mach weiter so ☺️

  2. 25. April 2018 / 7:43

    jeder hat doch selbst seine Vorstellungen vom perfekten Körper – ich möchte niemals Modellmaße haben, weil es mir nicht gefällt, wenn man die Schulterblätter sieht, so wie die Mädls bei GNTM – mein persönliches Ziel ist es Muskeln aufzubauen und mich in meinem Körper wohl zu fühlen – dabei ist es mir egal, wenn andere sagen, dass ich bereits zu viele Muskeln habe – wichtig ist nur, dass man sich selbst gefällt – ich denke es wird NIIIEMALS so sein, dass sich jeder in seiner Haut wohl fühlt, das ist auch gut so, denn wenn das so wäre, hätten viele kein Ziel vor Augen – keine Motivation Sport zu machen, keine Motivation sich gesund zu ernähren – natürlich sollte man dabei aber immer realistisch bleiben und sich wegen “Figurproblemen” nicht fertig machen

    • 25. April 2018 / 7:54

      Ich sehe das ein bisschen anders. Sich wohlzufühlen in seiner Haut schließt für mich nicht aus, dass man keine Ziele mehr hat oder keine Motivation mehr hat. Ich, zum Beispiel, habe gelernt meinen Körper zu akzeptieren wie er ist und 90% der Zeit gehts mir auch gut so. Trotzdem arbeite ich an mir, gehe ins Fitnessstudio, achte auf meine Ernährung usw. weil ich die Motivation habe, weil ich Lust darauf habe. Verstehst du was ich meine? Das eine schließt das andere nicht aus 🙂

      • 25. April 2018 / 10:57

        ja, ich versteh schon, was du meinst – ich hab mittlerweile auch gelernt meinen Körper zu akzeptieren, so wie er ist, allerdings würde es mir bestimmt schwer fallen, wenn ich jetzt 10 kg mehr auf den Rippen hätte.. heutzutage ist das Schönheitsideal überall so zu sehen (Fernsehen, Instagram, …) da fällt es leider schwer sich zu akzeptieren, wenn man dem nicht entspricht…

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